Team ME/CFS: Keine Energie mehr zum Kauen. Aber Hauptsache perfekt gesund essen…..
Und jetzt mal ganz ehrlich – Wenn mein Energielevel längst im Minusbereich ist, ist eine Tiefkühlpizza — ohne schlechtes Gewissen gegessen — für mich oft deutlich besser verträglich, als mich mit letzter Nicht-mehr-vorhandener Energie noch zum „perfekt gesunden“ Kochen zu zwingen.

Klingt eigentlich logisch. Mein innerer Recovery-Streber sah das damals allerdings etwas anders. Warum sollte man sich zu etwas zwingen, wofür man längst keine Energie mehr hat? Ja. Warum eigentlich?
Ganze einfach. Weil ich endlich aus diesem verdammten ME/CFS-Game raus wollte. Und zwar so schnell, wie nur irgendwie möglich. „Okay. Jetzt mache ich einfach alles richtig.“ Wirklich alles. Dann muss es doch endlich auch für mich funktionieren.
Vegan.
Glutenfrei.
Ohne Zucker.
Natürlich frisch gekocht.
Ayurvedisch sowieso.
Und selbstverständlich entzündungshemmend. Weil irgendwo hatte ich schließlich gelesen, dass Zucker böse ist, Gluten sowieso, Soja wahrscheinlich auch mein Untergang wird und mein Körper jetzt bitte ausschließlich perfekte Ernährung verdient hat. Mein innere Recovery-Polizei war komplett außer Kontrolle geraten. Und was den Druck ehrlich gesagt noch viel schlimmer gemacht hat war, dass ich einen eigenen Bioladen hatte. Hört sich erstmal nach unfairem Vorteil an. War es aber ehrlich gesagt nicht. Jedenfalls nicht zu diesem Zeitpunkt.
Ich konnte nicht als Ausrede sagen:
„Bio ist mir zu teuer.“
„Ich schaffe es nicht einkaufen zu gehen.“
„Ich habe nichts Gesundes zuhause.“
Ich hatte alles direkt vor mir. Perfekte Nahrungsmittel. Für eine perfekt Ernährung und Recovery.
Das einzige „kleine“ Problem war nur, dass mein Energielevel längst komplett im Keller war. PEM lässt grüßen. Aber ehrlich gesagt wollte ich damals irgendwie nicht so richtig akzeptieren. No way. Ich war der Meinung, dass ich die PEM mit genug Disziplin, Kontrolle und Willenskraft schon irgendwie austricksen könnte. Spoiler: Mein Körper war von diesem Plan nicht besonders begeistert. Symptome aller Art und ein Crash nach dem anderen. Ich habe trotzdem weitergemacht. Immer nur kurz Pause. Dann lieber nichts gegessen als etwas Ungesundes. Im Rückblick betrachtet, kann ich nur den Kopf schütteln.
Aber damals hatte ich einfach wirklich panische Angst, meine einzige Chance auf Recovery zu verspielen, wenn ich nicht endlich alles perfekt mache. Selbst schuld daran zu sein, wenn ich weiter im ME/CFS-Game mitspielen muss.
Also war ich immer wieder erschöpft und frustriert in der Küche am Start. Jeden Tag. Zweimal täglich frisch kochen. Das war der Plan. Nein, eigentlich nicht mal der Plan. Das war Gesetz. Alles andere war gefühlt illegal. Das Problem war nur, dass mein Körper war längst nicht mehr besonders begeistert von diesem Plan war.
Ich war zittrig.
Schwindlig.
Hatte Herzrasen.
Weiche Knie.
Ich habe beim Kochen irgendwann nur noch auf einem Hocker gesessen, weil selbst Stehen zu anstrengend wurde. Zum Glück stand da auch ein Sofa im Raum. Kein Witz. Und jeden Abend kam irgendwann dieser Moment – „Ich kann nicht mehr.“ Mein Akku war komplett leer. Ich hätte am liebsten alles in die Ecke geschmissen. Wenn ich noch genug Energie dafür gehabt hätte.
Aber in meinem Kopf lief immer nur die gleiche Story:
„Du musst das Durchziehen.“
„Du kannst dir jetzt keine Fehler erlauben.“
„Wenn du das jetzt nicht perfekt machst, versaust du vielleicht deine einzige Chance auf Recovery.“
Und genau aus diesen Gründen hatte ich irgendwann ernsthaft Angst vor Tiefkühlpommes.
Kein Scherz. Im Ayurveda sind Pommes gefühlt absolut illegal. Ich habe damals grüne Bohnen aus dem Glas gegessen, weil ich sie besser vertragen habe als frisch gekochte Bohnen. Dazu Tiefkühlpommes. Und Ketchup. Und hatte so ein extrem schlechtes Gewissen, als hätte ich gerade aktiv meine Recovery für immer sabotiert.
Heute denke ich mir ehrlich gesagt, das war wirklich komplett absurd. Damals war das für mich aber bitterer Ernst. Meine feste Überzeugung. Bis ich irgendwann mal wieder bei meinem Ayurveda-Arzt in Regensburg einen Termin hatte und ihm meinen komplett gestörten Tagesablauf geschildert habe.
Und er dann ganz trocken meinte: „Das bringt Ihnen nichts, wenn Sie die ganze Energie schon fürs Kochen verbrauchen und dann keine Kraft mehr übrig ist, das Essen überhaupt richtig zu verdauen.“ Meine erste Reaktion? „So ein Bullshit.“ Keine Energie mehr zum Verdauen? Das macht der Körper doch nebenbei. Oder? Bis ich irgendwann als Ayurvedafangirl akzeptieren konnte, dass Verdauung nicht einfach so kostenlos im Hintergrund mitläuft.
Kauen kostet Energie.
Verdauen kostet Energie.
Stress kostet Energie.
Perfektionismus kostet Energie.
Und wenn der Energielevel sowieso schon komplett im Minusbereich ist, dann bringt meinem Körper das „perfekt gesunde“ Essen herzlich wenig, wenn er schon vom Kauen überfordert ist.
Aber zum Glück habe ich es dann irgendwann geschnallt, warum mein Körper ständig komplett eskaliert ist. Nicht wegen der Pommes. Nicht wegen Bohnen aus dem Glas. Sondern weil ich versucht habe, mit einem Energielevel im absoluten Katastrophenbereich trotzdem noch Recovery-Weltmeisterin zu werden. Ayurveda hat für mich dann auch ab da plötzlich auch ganz anders funktioniert. Nicht mehr nach dem Motto: „Wie lebe ich jetzt möglichst perfekt ayurvedisch?“ Sondern eher in diesem Modus: „Okay… was ist für meinen Körper heute überhaupt noch möglich, ohne komplett die weiße Fahne zu schwenken?“
Und ja. Manchmal war die Antwort eben Suppe. Oder aufgewärmtes Essen. Oder Tiefkühlpizza mit ein bisschen Gemüse drauf, damit mein schlechtes Gewissen beruhigt ist.
Recovery-Stress ist halt auch Stress. Auch wenn er das Label „gesund“ hat.
Und genau deshalb kommt jetzt hier eine kleine Botschaft an mein früheres Ich. Und vielleicht auch an dich, falls du gerade exakt in diesem Recovery-Ernährungs-Schlamassel festhängst. Du musst hier gerade nicht Recovery-Weltmeisterin werden. Wirklich nicht. Komm erstmal wieder runter. Atme erstmal durch. Dein Körper braucht nicht noch mehr Druck, noch mehr Kontrolle
und ganz sicher keinen Ernährungsmasterplan mit 73 Regeln. Du bist auch nicht gescheitert, nur weil du keine Energie mehr hast, perfekt gesund zu kochen. Du bist einfach komplett erschöpft. Du bist krank. Du hast ME/CFS. Und das ist ein verdammt großer Unterschied.
Kleiner Reality Check – Mein Energielevel hat sich zwar verbessert. Aber auch mit mehr Energie verschwinden diese „Heute-schaffe-ich-gar-nichts“-Tage leider nicht plötzlich komplett.
Und nein. Ich sitze hier jetzt übrigens nicht als komplett „perfekt genesene“ Recovery-Heldin und erzähle dir, dass ich sowas alles nie mehr erlebe. Mein Energielevel liegt durch Post Vac inzwischen zwar ungefähr bei 70 Prozent. Trotzdem gibt es auch heute noch Tage, an denen ich einfach keine Kraft zum Kochen habe. Und ehrlich gesagt? Leider besitze ich inzwischen auch keinen Bioladen mehr. Aber immerhin gibt es einen guten Lieferdienst mit glutenfreier Pizza.
Früher wäre da sofort dieses „Super. Jetzt hast du bestimmt alles sabotiert.“ angesprungen. Oder: „Das wirst du morgen bereuen.“ „Toll. Wieder Entzündungen gefüttert.“ „Andere ziehen ihre Recovery wenigstens diszipliniert durch.“
Mein innerer Recovery-Drill-Instruktor war wirklich maximal anstrengend. Heute bin ich da entspannter: „Okay. Mein Energielevel ist komplett im Eimer. Also machen wir es dem Körper und dem Verdauungs-System wenigstens nicht noch schwerer.“ Und genau deshalb habe ich inzwischen für solche Tage einfach vorgesorgt. Ich habe Mahlzeiten zuhause, die wenig Energie bei der Zubereitung und Verdauung kosten. Essen, das mein Körper meistens gut verträgt. Nehme dann auch Verdauungsenzyme. Einen Ingwer-Shot zur Anregung des Verdauungsfeuers. Esse eher warme und gekochte Mahlzeiten. Belaste meinen Kreislauf nicht zusätzlich mit dem Kochvorgang.
Und ja. Manchmal ist das dann eben nur eine Fertig-Suppe.
Oder aufgewärmtes Essen. Oder Tiefkühlpizza mit ein bisschen Gemüse drauf, um mein Gewissen zu beruhigen. Das ist mein Trick dabei. Sonst kommt leider die Ernährungspolizei doch wieder durch.
Ayurveda hat mir irgendwann übrigens genau dabei extrem geholfen. Nicht mit noch mehr „du musst“. Davon hatte ich schon mehr als genug. Eher im Gegenteil. Weil ich durch Ayurveda verstanden habe, dass „gesund“ nicht automatisch bedeutet, dass mein Körper das gerade auch verarbeiten kann. Dass es sich auch für mich positiv auswirkt. Vor allem nicht mit einem Energielevel im absoluten Katastrophen-Energielevel-Minusbereich.
Denn wenn du mit letzter Kraft noch Vollkornreis, Rohkost oder das perfekte Clean-Eating-Recovery-Menü in dich reinzwingst, dein Körper aber schon vom Kauen komplett überfordert ist,
dann läuft da vielleicht irgendwas nicht ganz optimal. Und ja. Genau deshalb vertrage ich an solchen Tagen manchmal eine Suppe besser als einen Rohkostteller. Oder aufgewärmtes Essen besser als frisch gekochtes. Früher hätte mein innerer Recovery-Streber dabei wahrscheinlich Schnappatmung bekommen. Heute denke ich mir eher, Hauptsache mein System muss jetzt nicht komplett eskalieren, nur weil ich unbedingt noch „perfekt gesund“ performen will.
Und ganz ehrlich? Manchmal ist eine Tiefkühlpizza ohne kompletten Stress im Kopf wahrscheinlich deutlich entspannter für mein System, als mit letzter Kraft noch irgendein perfektes Recovery-Essen zu erzwingen. Und nein. Das bedeutet natürlich nicht, dass Ernährung bei ME/CFS egal ist. Ganz sicher nicht. Ehrlich gesagt bin ich wahrscheinlich der letzte Mensch, der das behaupten würde.
Ich liebe gutes Essen. Ich liebe Ayurveda. Ich ernähre mich bis heute vegan, glutenfrei, sojafrei und meistens ziemlich frisch. Und ich bin mir auch ziemlich sicher, dass mein Energielevel ohne diese Ernährung deutlich schlechter wäre. Mit mehr Inflammation. Mehr Chaos im System.
Mehr „Warum fühlt sich mein Körper heute schon wieder an wie ein Windows-PC kurz vorm Absturz?“ Aber genau deshalb musste ich irgendwann auch akzeptieren, dass Ernährung nicht automatisch gesund ist, nur weil sie auf irgendeiner perfekten Recovery-Liste steht.
Mein Körper ist kein Ernährungsbootcamp. Und ganz sicher kein One-size-fits-all-Experiment.
Wenn mein Energielevel komplett im Keller ist, bringt es herzlich wenig, meinem völlig erschöpften System jetzt noch ein Ernährungsmilitärprogramm aufzuzwingen. Gesund ist für mich heute nicht mehr das, was auf Instagram oder irgendeiner „Heal yourself naturally“-Liste perfekt aussieht. Sondern das, was mein Körper an diesem Tag überhaupt noch halbwegs entspannt verarbeiten kann.
Mein Energielevel war jedenfalls nie besonders beeindruckt davon, wie perfekt ich versucht habe zu recovern.

Persönliche Botschaft:
Und falls du gerade auch komplett in diesem Recovery-Ernährungs-Chaos festhängst: Ich verstehe das wirklich so gut. Wenn man im ME/CFS-Loch sitzt, will man da einfach nur noch ganz schnell wieder raus. Dann wird plötzlich jede Mahlzeit zu einem kleinen Recovery-Projekt. Und jeder Bissen fühlt sich an,
als könnte es entweder helfen oder alles noch schlimmer machen. Genau so habe ich jahrelang gedacht und gefühlt.
Ich hatte ständig Angst, meine einzige Chance auf Recovery zu zerstören, wenn ich nicht endlich alles perfekt mache. Und ehrlich gesagt? Ich glaube, ich konnte mir solche Tage überhaupt erst erlauben, seit ich angefangen habe, wirklich intuitiv zu essen.
Nicht im „Iss einfach worauf du Lust hast“-Instagram-Sinne. Sondern dieses langsame Lernen, meinem Körperfeedback tatsächlich mehr zu vertrauen als irgendwelchen Ernährungs-listen, Regeln, Verboten oder meinem inneren Recovery-Feldwebel. Ayurveda hat mir zwar extrem geholfen, mein Körper-system besser zu verstehen. Vor allem, warum mein völlig erschöpftes System manches einfach nicht mehr gut verarbeiten kann. Aber erst durch intuitives Essen habe ich wirklich verstanden, dass mir am Ende niemand von außen perfekt sagen kann, was mein Körper heute gerade braucht.
Weil mein Energielevel, meine Verdauungskraft und auch meine Entscheidungsenergie eben nicht jeden Tag gleich sind.
Und genau das habe ich früher komplett unterschätzt. Entscheidungsenergie ist nämlich leider genauso wenig unendlich verfügbar wie Verdauungsenergie. Team ME/CFS trifft gefühlt sowieso schon den ganzen Tag kleine Überlebens-entscheidungen. Duschen oder nicht? Termin absagen?
Noch kurz durchziehen? Hinlegen? Ist das schon PEM?
War das jetzt zu viel? Und wenn sowieso schon keine Energie mehr da ist, dann ist oft auch keine Kraft mehr übrig,
noch die perfekte Recovery-Mahlzeit zu finden. Genau deshalb versuche ich es meinem System heute möglichst leicht zu machen.
Ich bereite für solche Tage lieber vor. Habe einfache Mahlzeiten da. Meal Prep. Dinge im Tiefkühlfach, die mein Körper meistens gut verträgt. Und manchmal sagt mein Körper dann eben:
„Heute Suppe.“ Oder eben: „Heute Tiefkühlpizza.“ Und inzwischen vertraue ich darauf, dass mein Körpersystem ziemlich genau weiß, was es an diesem Tag gerade verarbeiten kann und was nicht. Ehrlich gesagt hat mir genau das wahrscheinlich mehr Ruhe gebracht als jeder perfekte Ernährungsplan jemals hätte tun können.

Wenn dein komplettes System gerade nur noch Alarm schreit und du dir überhaupt nicht vorstellen kannst, wie du diesen ganzen Recovery-, Ernährungs- und Stresswahnsinn noch hinkriegen sollst, dann ist meine SOS Recovery Session vielleicht genau der richtige Ort dafür. Nicht für noch mehr Druck. Nicht für noch mehr „du musst“. Sondern erstmal zum Durchatmen, Sortieren und gemeinsam schauen, was dein System gerade wirklich braucht
