„Ayurveda-Streberin des Monats. Ernährung? Check. Lifestyle? Check. Expertenwissen? Check. Und trotzdem plötzlich wieder mitten im ME/CFS-Drama. Ernsthaft jetzt?“ Das darf doch jetzt nicht wahr sein. Wollt ihr mich verarschen?

Ich konnte es wirklich nicht glauben. Was war hier los? Jahrelang hatte ich meinen Healthy-Ayurvedagirlmodus im Alltag voller Überzeugung und mit viel Begeisterung gelebt. Meine Ernährung, meinen Alltag, meinen gesamten Lifestyle „perfectly ayurvedic“ abgestimmt. Ich kannte meine Konstitution, meine Dosha-Dysbalancen und wusste ziemlich genau, was meinem Körper guttut und was nicht. Ayurveda-Streberin des Monats. Mindestens.
Und dann kam ganz plötzlich und unerwartet Post-Vac … WTF is going on?
Meine Baseline verabschiedete sich nach und nach immer weiter nach unten. Dinge, die vorher selbstverständlich waren, gingen plötzlich nicht mehr. Ich war verzweifelt. Was war hier los? Warum bin ich wieder an diesem Punkt gelandet? Habe ich vielleicht eine Krebserkrankung? Also bin ich dann notgedrungen trotz Ärztephobie (durch Medical Gaslighting bei meiner ersten ME/CFS-Phase) irgendwann zur Abklärung zu meinem Hausarzt gegangen.
Und ich wurde wirklich gründlich durchgecheckt. Die Diagnose Post Vac wurde gestellt. Und natürlich auch wieder ME/CFS. Welcome back in der ME/CFS-Hölle. Von sehr mild zurück zu moderat. Oh, nein. Das will ich nicht. Ich hatte doch schon so viele Jahre gebraucht, um mir mein Leben zurückzuholen. Und plötzlich fühlte es sich an, als wäre alles komplett umsonst gewesen.
Einfach so akzeptieren? No way. Also machte ich das, was ich am besten konnte: Ich suchte akribisch nach dem Fehler. Da musste doch irgendetwas sein, das ich übersehen hatte. Irgendeine Information, die mir noch fehlte. Irgendetwas, das ich falsch verstanden oder nicht konsequent genug umgesetzt hatte. Klar. Nach unzähligen Ayurveda-Büchern, Ausbildungen und jahrelanger Praxis fehlte mir bestimmt noch genau diese eine entscheidende Information. Also noch mehr Ayurveda. Noch konsequenter. Noch mehr Wissen. Noch mehr Kontrolle.
Ich wollte unbedingt etwas finden, das mir das Gefühl geben konnte, meinem Körper und dieser verdammten Erkrankung nicht völlig ausgeliefert zu sein. Spoiler: Mein Körper war von meinem neuen Perfektionsprogramm ungefähr so begeistert wie ich von meiner Diagnose. Und irgendwann war ich einfach nur noch wütend. Auf meinen Körper. Auf die ganze Situation. Und ja, sogar auf Ayurveda. Meinen bisherigen heiligen Gesundheits-Gral. Den ich jetzt plötzlich am liebsten vom Sockel gestoßen hätte.
Ayurveda kann mich echt mal … das war doch alles nur Fake.

Ja, genau das habe ich irgendwann gedacht und wirklich auch ganz tief so empfunden. Ich war so wütend und enttäuscht, dass ich am liebsten den ganzen „Ayurveda-Kram“ über Bord geworfen hätte. Nach dem Motto: Wenn mich mein jahrelanger Ayurveda-Lifestyle schon nicht vor diesem erneuten ME/CFS-Super-GAU bewahren konnte, dann kann ich mir den ganzen Aufwand auch gleich sparen. Meine knappe Energie brauche ich in Zukunft nicht mehr an Ayurveda verplempern. Bringt ja sowieso nichts. Dann können wir ja jetzt gleich mal die Anti-Ayurvedatrotzphase starten. Das hat Ayurveda auch verdient, wenn es mich schon nicht gesundheitlich unantastbar gemacht hat.
Ich habe also bewusst Dinge gemacht, bei denen ich genau wusste, dass sie aus ayurvedischer Sicht für mich gerade keine besonders gute Idee waren. Einfach, weil ich keine Lust mehr hatte, ständig auf alles Rücksicht zu nehmen und mich einzuschränken. Was soll schon passieren? Noch mehr ME/CFS? Ziemlich kindisch, ich weiß.
Das Absurde daran war allerdings: Ich konnte Ayurveda gar nicht wirklich aus meinem Lifestyle streichen. Nach so vielen Jahren, Ausbildungen, Ernährungsberatungen und Ayurveda-Kochkursen war mir dieses Wissen einfach in Fleisch und Blut übergegangen. Ich konnte es ja schlecht wieder aus meinem Kopf löschen. Dies Löschtaste habe ich leider bzw. zum Glück aus heutiger Sicht nicht gefunden.
Und ganz nebenbei hatte ich in meiner Wut auch ziemlich erfolgreich verdrängt, dass Ayurveda mich nach meiner ersten ME/CFS-Diagnose über viele Jahre sehr gut begleitet hatte. Dass ich durch meinen Ayurvedalifestyle wieder ein ziemlich normales Leben führen konnte. Aber das wollte ich in diesem Moment natürlich überhaupt nicht hören. Ich war einfach maßlos enttäuscht. Von Ayurveda. Von meinem Körper.
Und wahrscheinlich am meisten von meiner eigenen Vorstellung, dass ich mit genügend Wissen und dem richtigen Lifestyle immer einen Weg aus jeder gesundheitlichen Krise finden würde.
Tja. Theorie und Praxis sind bekanntlich zwei Paar Stiefel. Das Paradoxe an diesem Punkt war ja: Mein Ayurveda-Wissen und auch meine positiven Erfahrungen mit Ayurveda waren immer noch da. Ich hatte einfach nur überhaupt keine Energie mehr, meine Ayurvedaskills sinnvoll für mich anzuwenden. Mein Körper reagierte plötzlich auf Dinge, die vorher jahrelang funktioniert hatten, völlig anders. Meisten negativ. Viele neue Symptome kamen dazu. Körpersignale die beängstigend waren. Und meine Baseline verabschiedete sich immer weiter nach unten. Gerne richtig in den Keller.
Und ich stand dann da mit meinem ganzen Expertenwissen und wusste teilweise überhaupt nicht mehr, was jetzt eigentlich richtig war. Sollte ich meine Ernährung verändern? Mein Vata noch stärker beruhigen? Irgendetwas anders machen? Oder hatte ich einfach wieder irgendetwas übersehen? Mein Kopf war im permanenten Problemlösungsmodus. Mein Körper bzw. mein Nervensystem längst im Überlebensmodus. Und dann sollte ich auch noch achtsam meine Körpersignale beobachten?
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Ganz ehrlich? Ich hatte irgendwann weder die Energie noch die Nerven dafür. Einfach keinen Bock mehr. Vata an der Decke. Energielevel im Minus. Motivation – was ist das? Achtsamkeit, Intuition und positives Mindset können sich auch gerne verabschieden.
Ich wollte einfach nicht mehr. Ich war erschöpft. Innere Unruhe, Ängste, Gedankenkarussell und dieses ständige Gefühl, unbedingt etwas tun zu müssen. Hin und her zwischen „Game over“ und „das ist die Lösung“. Allerdings war mir schon bewusst, dass mir stundenlanges Recherchieren und noch mehr Input gerade absolut nicht helfen. Aber es war wie ein Drang. Irgendwie nicht zu stoppen.
Was habe ich gemacht? Natürlich immer weiter recherchiert. Noch ein Buch. Noch eine Information. Noch eine mögliche Lösung. Ayurveda-Streberin im Vata-Karussell. Ausstieg leider verpasst. Ich war irgendwann so mit dem Versuch beschäftigt, alles wieder unter Kontrolle zu bekommen, dass ich kaum noch wahrgenommen habe, was ich eigentlich gerade brauchte. Und irgendwann wollte ich einfach nur noch, dass dieses permanente innere Alarmprogramm endlich aufhört.
„Mein Ayurveda-Wissen war schon noch da. Meine Vataeskalation hatte mir aber irgendwie den Zugang versperrt.
Irgendwann hatte ich aber auch einfach keinen Bock mehr. Besser gesagt, keine Kraft mehr. Für Ayurveda. Für neueste Erkenntnisse zu PEM, Baseline, Ernährung, Supplements oder die nächste vermeintlich geniale Recovery-Erfolgsstory. Ich wollte nur noch raus aus diesem verdammten Überlebensmodus. Aus dieser permanenten Angst, dass es nie wieder besser wird. Aus dem Gefühl, meinem Körper und der ganzen Situation völlig ausgeliefert zu sein. Und vor allem aus diesem Gedanken: Das war’s jetzt. Game over.
Rien ne va plus – ME/CFS-Pech gehabt
Eine Lösung muss her. Ansonsten raste ich (je nach Energielevel) endgültig komplett aus. Was habe ich noch nie probiert? Neville Goddard. Ah, hört sich interessant an. Und dann habe ich etwas gemacht, bei dem meine innere Eso-/Spiri-Skeptikerin vermutlich erst mal einen mittelschweren Lachanfall bekommen hat. Ich habe angefangen zu manifestieren. Ja, richtig gelesen. Ich habe mich mit Neville Goddard und dem Gesetz der Annahme beschäftigt, Bücher gelesen, visualisiert, geskriptet und mir Affirmationen als kleine Pep-Talk-Audios aufgenommen.
Und natürlich meldete sich immer zwischendurch regelmäßig diese fiese kleine Bullshit-Radar- Stimme:
„Ernsthaft jetzt? Bist du jetzt vollkommen übergeschnappt? Was soll der Schmarrn? Als ob das irgendetwas ändern würde.“ Meine Antwort darauf war ziemlich einfach: „Weißt du was? Ich habe doch sowieso nichts zu verlieren. Also probiere ich es einfach aus.“ Weitere Bullshit-Zwischenrufe sind nicht gewünscht und bringen mich auch nicht davon ab. Punkt.
Und genau das habe ich dann auch für einen längeren Zeitraum eiskalt durchgezogen. Ich habe auch radikal damit aufgehört, mich permanent mit meiner Erkrankung und der nächsten möglichen Wunderlösung zu beschäftigen. Keine weitere Detektivarbeit in Sachen Ernährung. Keine ständige Suche nach dem nächsten Ayurveda-Fehler. Keine neuen Recovery-Baustellen.
Stattdessen habe ich mich erst einmal nur noch auf meine Manifestationspraxis konzentriert. Nicht, weil ich geglaubt hätte, dass ich ME/CFS einfach wegmanifestieren kann. Sondern weil ich damals dringend wieder einen „Hoffnungs-Strohhalm“ gebraucht habe. Eine andere Perspektive. Das Gefühl, dass meine Story noch nicht zu Ende geschrieben war. Und langsam hat sich tatsächlich etwas verändert. Nicht über Nacht und spektakulär. Nicht nach dem Motto: Dreimal visualisiert, ME/CFS erledigt. Aber ich wurde sehr viel ruhiger und entspannter.
Dieses permanente Gefühl des Kontrollverlustes wurde weniger. Ich musste nicht mehr jede freie Minute nach einer Lösung suchen. Ich konnte wieder daran glauben, dass sich etwas verändern kann, auch wenn ich gerade noch nicht wusste, wie. Und das war für mich damals unglaublich viel wert. „ME/CFS wegmanifestieren? Schön wär’s. Funktioniert natürlich nicht. Und ich würde das auch nie behaupten.
Recovery-Detektivbüro geschlossen. Ernährungs-Kontrollzentrum leider noch geöffnet.
Und während ich durch die Manifestationspraxis langsam wieder etwas mehr Ruhe in meinen Kopf hatte, war das Thema perfekte Ernährung immer noch sehr präsent bei mir. Foodcoachmodus. Und klar. Essen musste ich mehrmals am Tag. Richtige Entscheidungen treffen. Fehler konnte ich mir nicht erlauben. Kein Foodkoma oder andere Ernährungskatastrophen.
Auch hier wollte ich nach der Diagnose Post-Vac unbedingt alles richtig machen. Wirklich alles. Also habe ich mich durch Ernährungsformen, Empfehlungen, Bücher und die neuesten Erkenntnisse gearbeitet. Was könnte bei ME/CFS helfen? Was sollte ich unbedingt essen? Was besser weglassen?
Und im Gegensatz zu meiner ersten ME/CFS-Diagnose in den 90ern gab es inzwischen gefühlt für jedes Symptom mindestens fünf Ernährungskonzepte. Blöd nur, dass viele dieser Empfehlungen bei mir überhaupt nicht funktionierten. Ich hatte mittlerweile so viele Informationen und Vorstellungen davon im Kopf, wie ich mich ernähren sollte, dass ich irgendwann kaum noch wusste, worauf ich eigentlich Lust hatte. Von Genuss und Freude am Essen war jedenfalls nicht mehr besonders viel übrig. Stattdessen nur noch: Stress. Grübeln. Hinterfragen.
Too much information. Verdauungskraft im Keller. Essintuition auf Tauchstation.
Und ausgerechnet ich wusste natürlich eigentlich ganz genau, was dieser ganze Stress aus ayurvedischer Sicht mit meinem Vata-Dosha machen würde. Herzlichen Glückwunsch. Ernährung perfektioniert, Vata eskaliert. Irgendwann ging mir das Ganze so auf die Nerven, dass ich angefangen habe, mich mit intuitivem Essen zu beschäftigen. Ich habe Bücher gelesen und fand den Ansatz ziemlich spannend. Allerdings waren bei mir gedanklich immer noch die innere Ayurveda-Therapeutin und der innere Food Coach mit am Esstisch. Und beide hatten natürlich eine klare Meinung und viele Einwände.
Hat mich irgendwann aber nicht mehr interessiert. Ich habe beiden Redeverbot erteilt. Spaß. Nein, ich wollte es einfach unbedingt mal ausprobieren. Mehr Foodfreedom in meinem Leben haben. Also habe ich mir dann einfach mal erlaubt, wieder stärker auf meine eigenen Impulse zu hören. Meine Körpersignale ernst zu nehmen und mein Körperfeedback zum wichtigsten Maßstab für meine Essentscheidungen zu machen. Nicht mehr ständig zu überlegen, was irgendein Ernährungskonzept empfiehlt. Sondern erst einmal zu schauen, was mein Körper dazu sagt.
Meine innere Ernährungsexpertin musste dringend auf die stille Treppe. Ich wollte einfach mal wieder in Ruhe essen.
Wenn ich auf etwas Appetit hatte, habe ich versucht, nicht sofort die passende Ernährungsempfehlung dagegenzuhalten. Sondern erst einmal wahrzunehmen: Was möchte ich gerade essen? Wie fühlt sich mein Körper heute an? Was bekommt mir tatsächlich? Und nach und nach habe ich gemerkt, wie viel leichter und entspannter das Thema Ernährung für mich wurde.
Food-Freedom-Modus aktiviert. Ab sofort alles ganz easy peasy? Schön wär’s. Ganz so war es ehrlich gesagt nicht. Natürlich habe ich nicht plötzlich jede Mahlzeit wunderbar vertragen. Mein Körper hatte auch weiterhin gelegentlich ziemlich eigene Vorstellungen davon, was er von meinen Ernährungsentscheidungen gehalten hat. Foodkoma und Foodbaby inklusive. Aber etwas hatte sich schon verändert. Essen war nicht mehr dieses permanente Abwägen zwischen richtig, falsch, gesund, ungesund, ayurvedisch und völlig daneben. Ich musste nicht mehr jede Entscheidung vor meiner inneren Ernährungskommission rechtfertigen. Und das war verdammt angenehm.
Denn meine Verdauung ist schließlich nicht jeden Tag gleich. Meine Belastbarkeit auch nicht. Mein Energielevel schon mal überhaupt nicht. Und was mir gestern gutgetan hat, kann heute schon wieder eine ganz andere Story sein. Und kein Ernährungsplan der Welt kann mir für jeden einzelnen Tag vorhersagen, was mein Körper gerade braucht. Und dann hat es deshalb bei mir Klick gemacht. Wenn ich beim Essen nicht mehr sklavisch irgendwelchen Regeln folgen wollte …Warum sollte ich Ayurveda dann eigentlich nicht auch anders praktizieren? Auch hier nach dem Motte „Easy Ayurveda“.
Ayurveda kann extrem nerven, wenn du daraus eine Challenge oder Doktorarbeit machst.
Für mich hat sich durch meine positiven Erfahrungen mit dem Konzept des intuitiven Essens auch nach und nach mein Umgang mit Ayurveda verändert. Nicht falsch verstehen. Ich war nicht plötzlich der Meinung, dass die ganzen ayurvedischen Empfehlungen Bullshit sind. Ganz im Gegenteil. Ich kenne die Hintergründe. Ich verstehe, warum Ayurveda bestimmte Dinge empfiehlt. Und vieles davon funktioniert für mich nach wie vor wunderbar. Aber eben nicht alles. Und vor allem nicht an jedem Tag.
Nehmen wir zum Beispiel aufgewärmtes Essen. Eigentlich ein Ayurveda-Deal-Breaker. Aus klassisch ayurvedischer Sicht soll man möglichst frisch kochen und aufgewärmte Mahlzeiten vermeiden. Schön und gut. Wenn ich aber an einem Tag kaum Energie habe, bin ich verdammt froh, wenn noch etwas Selbstgekochtes vom Vortag im Kühlschrank steht. Soll ich das jetzt ernsthaft nicht essen, weil es aus ayurvedischer Sicht nicht optimal ist? Und stattdessen vor lauter Erschöpfung irgendwann zur Chipstüte greifen? Ähm. Nein.
Oder Brot. Bei einer Vata-Dysbalance wird häufig empfohlen, trockene Nahrungsmittel möglichst zu reduzieren. Kann ich nachvollziehen. Ist auch sicherlich eine gute Idee. Aber trotzdem gibt es Tage, an denen ich merke, dass Brot für mich gerade wunderbar funktioniert. Und dann esse ich eben Brot. Ohne anschließend eine Krisensitzung mit meiner inneren Ayurveda-Therapeutin einzuberufen.
Und das war für mich tatsächlich eine ziemlich große Veränderung im Ayurvedagame. Mir das wirklich zu erlauben. Etwas gechillter an die Sache heranzugehen. Nicht mehr versuchen und von mir zu erwarten, jede Empfehlung möglichst perfekt umzusetzen. Nur Ayurvedastrebermodus mit 1+. Das funktioniert in einem normalen Alltag einfach nicht. Schon gar nicht mit ME/CFS und Post Vac.
Und irgendwann habe ich mir endlich erlaubt, auch meine positiven Erfahrungen mit anderen Therapien und Ernährungskonzepten entspannt umzusetzen. Vor allem aber das, was mir mein eigener Körper als Feedback gegeben hat. Salat am Abend? Laut Ayurveda eher keine Glanzidee. Für mich funktioniert es abends trotzdem besser als mittags.
Porridge zum Frühstück? Ayurveda-Klassiker. Ich kann mich danach gleich wieder ins Bett legen. Mein Ayurveda-Wissen ist immer noch Gold wert für mich. Aber es muss nicht mehr bei jeder Entscheidung das letzte Wort haben. Warum soll ich eigentlich ständig gegen meine eigenen Erfahrungen argumentieren? Das ist doch eigentlich gar nicht nötig.
Ayurveda sagt „Nein, was machst du“. Mein Körper sagt „Ja, das ist super“. Ayurveda-Polizei brauchen wir nicht mehr.
Und irgendwann war ich übrigens nicht mehr nur wütend auf Ayurveda. Sondern auch auf mich selbst. Vielleicht hatte ich ja doch nicht alles richtig gemacht? Vielleicht war ich nicht konsequent genug gewesen? Hatte irgendwelche Körpersignale übersehen oder mein Ayurveda-Wissen nicht gut genug umgesetzt? Ayurveda-Karma. Selber schuld. Was für ein Blödsinn. Aber genau solche Gedanken hatte ich damals tatsächlich. Inzwischen sehe ich das natürlich wieder komplett anders.
Denn Ayurveda war in Wahrheit nie eine Garantie dafür gewesen, dass ich nicht wieder krank werde. Und Post-Vac war ganz sicher kein Beweis dafür, dass ich irgendetwas falsch gemacht hatte. Es war wichtig aufzuhören, von Ayurveda etwas zu erwarten, was er mir gar nicht geben oder garantieren konnte. Und von mir selbst übrigens auch – das war der schwierigere Part.
Ayurveda ist für mich immer noch ein absolutes Must-have. Ich möchte ihn aus meinem Leben nicht mehr wegdenken. Aber ich habe aufgehört, von mir zu erwarten, dass ich eine Ayurveda-Superwoman sein muss, die jeden Tag alles perfekt umsetzt. Denn dafür müsste ich wahrscheinlich in einem Kloster leben. Ohne Job. Ohne Alltagsverpflichtungen. Und definitiv ohne meine drei Katzen. Die interessieren sich nämlich herzlich wenig dafür, dass mein Vata vielleicht dringend noch eine Stunde Schlaf gebrauchen könnte.
Um fünf Uhr morgens ist Fütterungszeit. Diskussion zwecklos. Und auch mein Arbeitsalltag fragt mich nicht morgens freundlich, ob meine Dosha-Dysbalancen heute mit meinen Verpflichtungen kompatibel sind. Manchmal muss ich Dinge tun, obwohl ich genau weiß, dass sie mir gerade nicht guttun. Nicht, weil ich mein Ayurveda-Wissen vergessen habe. Sondern weil ich ein Mensch mit einem ganz normalen Alltag bin. Und zusätzlich mit einer Erkrankung lebe, die mir nicht gerade unbegrenzt Energie zur Verfügung stellt. Ich kann nicht jeden Tag alles ayurvedisch perfekt machen. Und ich muss es auch nicht.
Ich darf die Empfehlungen nutzen, die für mich funktionieren. Andere links liegen lassen. Und morgen wieder anders entscheiden, wenn mein Körper andere Bedürfnisse hat. Deswegen bin ich keine schlechtere Ayurveda-Therapeutin. Und schon gar keine inkompetente oder disziplinlose Ayurvedi. Mal ehrlich. Nach all den Jahren, in denen Ayurveda mich durch mein Leben mit ME/CFS begleitet und unglaublich unterstützt hat, wäre das auch eine ziemlich absurde Schlussfolgerung. Das ist durch Post-Vac schließlich nicht plötzlich alles wertlos geworden. Aber Ayurveda ist eben leider auch keine Vollkaskoversicherung gegen gesundheitliche Katastrophen.
Ayurveda-Fangirl bin ich immer noch. Nur die Bewerbung als Ayurveda-Streberin des Monats habe ich inzwischen zurückgezogen. Und heute weiß ich auch, dass weder Ayurveda noch ich selbst schuld an meinem Rückfall waren. Manchmal passieren Dinge, die wir mit unserem Wissen, unserer Ernährung oder unserem Lifestyle einfach nicht verhindern können. Auch dann nicht, wenn wir vorher verdammt viel richtig gemacht haben.
Mein Vata braucht noch etwas Schlaf und Ruhe. Meine Katzen brauchen Frühstück. Rate mal, wer gewinnt.
Ayurveda kann und muss nicht jeden Tag meine Recovery retten. Punkt! Das war für mich eine ziemlich große und auch eine entlastende Erkenntnis. Denn früher hatte ich oft das Gefühl, dass alles, was ich für meine Gesundheit tue, gefälligst auch sofort ein Ergebnis liefern muss. Weniger Symptome. Mehr Energie. Eine stabilere Baseline. Und natürlich möglichst schnell wieder raus aus dem ME/CFS-Game. Am besten gestern.
Wenn ich schon so viel über Ayurveda weiß und auch noch so konsequent danach lebe, dann muss sich das doch irgendwann auszahlen. Hallo! Dachte ich zumindest. Schöner Gedanke. Träum schön weiter. So funktioniert das leider nicht. Und inzwischen muss ich auch nicht mehr bei jeder ayurvedischen Empfehlung überlegen, ob sie mich meiner Recovery näherbringt. Manchmal reicht es völlig, wenn mir etwas heute guttut. Wenn mein Körper besser damit zurechtkommt. Oder wenn es meinen Alltag einfach ein kleines bisschen leichter macht. Ohne dass ich daraus gleich wieder ein Recovery-Projekt machen muss.
Denn weder Ayurveda noch ich waren schuld daran, dass ich durch Post-Vac erneut schwer krank geworden bin. Manchmal passieren einfach Dinge, die wir mit unserem Wissen, unserer Ernährung und unserem Lifestyle nicht verhindern können. Aber das bedeutet nicht, dass alles, was uns vorher geholfen hat, plötzlich wertlos ist. Ayurveda ist für mich immer noch mein ME/CFS-Fels in der Brandung. Nur muss dieser Fels inzwischen nicht mehr meine gesamte Recoveryverantwortung tragen.
Ayurveda hat mich nicht im Stich gelassen. Meine zu hohen Erwartungen waren das eigentliche Problem.
Was ich während meiner ganzen Wut- und Trotzphase ziemlich erfolgreich ausgeblendet hatte: Ayurveda hatte mich über Jahrzehnte unglaublich unterstützt. Und mir auch mit ME/CFS ein gutes Leben ermöglicht. Das habe ich spätestens dann wieder kapiert, als ich irgendwann ganz bewusst angefangen habe, auf einige Dinge zu pfeifen, die mir vorher gutgetan hatten. Surprise! Mein Körper fand meine kleine Ayurveda-Rebellion offenbar weniger lustig als ich. Die Rechnung kam ziemlich prompt.
Mein Körper hatte offenbar nicht beschlossen, sämtliche positiven Erfahrungen mit Ayurveda ebenfalls über Bord zu werfen, nur weil ich gerade stinksauer war. Und ich bin mir auch ziemlich sicher, dass ich ohne meinen ayurvedischen Lifestyle heute gesundheitlich deutlich schlechter dastehen würde. Auch wenn ich noch nicht wieder auf dem Level bin, auf dem ich vor Post-Vac war.
Ayurveda-Fangirl? Definitiv. Unverwundbar dank Dosha-Wissen? War wohl ein kleiner Denkfehler.
Vielleicht kennst du dieses Gefühl auch aus deinem Leben. Du bist wieder an einem Punkt gelandet, an dem du nie wieder sein wolltest. Deine Belastbarkeit wird weniger. Dinge, die vor Kurzem noch möglich waren, funktionieren plötzlich nicht mehr. Und in deinem Kopf laufen sämtliche Worst-Case-Szenarien gleichzeitig. Was, wenn es nie wieder besser wird? Was, wenn ich noch mehr verliere? Was, wenn ich diesmal nicht mehr aus diesem Loch herauskomme? Und dann beginnt die verzweifelte Suche. Nach der nächsten Information. Der nächsten Recovery-Strategie. Dem einen entscheidenden Hinweis, den du bisher übersehen hast. Denn einfach aufzuhören, nach Lösungen zu suchen, fühlt sich nicht nach einer Pause an. Sondern verdammt schnell nach Aufgeben. Nach „Game over“.
Genau so ging es mir auch. Ich hatte ehrlich gesagt eine Scheißangst, wieder dort zu landen, wo ich nach meiner ersten ME/CFS-Diagnose schon einmal gewesen war. Wollte ich aber auf gar keinen Fall. Also musste ich etwas tun. Irgendetwas. Hauptsache, ich saß nicht einfach da und wartete darauf, dass mein Leben noch kleiner wurde. Mein Kopf lief auf Hochtouren. Recovery-Recherche rund um die Uhr. Inneres Katastrophenkino in Dauerschleife. Und mittendrin ich. Völlig überfordert und trotzdem fest davon überzeugt, dass ich nur noch ein bisschen intensiver nach Lösungen suchen müsste. Spoiler: Mein Nervensystem war von diesem genialen Plan wenig begeistert.

Meine persönliche Botschaft für dich:
Oh ja. Ich weiß ganz genau, wie verdammt schwer es ist, die Suche nach Antworten auch nur für einen Moment loszulassen. Vor allem, wenn du Angst hast, dass ansonsten gefühlt alles den Bach runtergeht.
Und genau in diesem Zustand war ich damals. Mein Kopf produzierte eine Katastrophenprognose nach der anderen. Gute Entscheidungen treffen? Schwierig, wenn die innere Sirene permanent auf Anschlag läuft. Für mich war meine Manifestationspraxis damals der einzig für mich machbare und akzeptable Weg raus aus diesem Zustand.
Die Visualisierungen, meine Pep-Talk-Audios und das Skripten haben mir nach und nach geholfen, aus diesem permanenten Worst-Case-Kopfkino herauszukommen.
Vor allem konnte ich wieder daran glauben, dass sich meine Situation verändern kann. Und ganz ehrlich – ohne diese Praxis wäre ich damals nicht aus dieser Angst- und Frustrationsspirale herausgekommen. Heißt das jetzt automatisch, dass du jetzt ebenfalls manifestieren solltest? Nein. Vielleicht. Kann ich dir an dieser Stelle leider nicht sagen.
Vielleicht ist es für dich auch etwas völlig anderes. Vielleicht hilft dir ein Gespräch mit einem Menschen, dem du vertraust. Vielleicht eine bestimmte Entspannungsmethode. Vielleicht brauchst du Unterstützung dabei, deine Gedanken erst einmal zu sortieren. Ich möchte dir hier auch nicht erzählen, dass du nur positiv genug denken musst und dann wird alles gut. Nach zwei ME/CFS-Erkrankungsphasen wäre das eine ziemlich absurde Behauptung von mir. Aber ich möchte dich ermutigen, offen zu bleiben. Auch für Dinge, bei denen dein erster Gedanke vielleicht lautet: „Ach komm, was soll mir das denn bitte bringen?“
Du musst definitiv nicht alles ausprobieren. Und schon gar nicht die nächste riesige Recovery-To-do-Liste anfangen. Aber vielleicht gibt es etwas, das dir hilft, wieder ein kleines bisschen Vertrauen und innere Ruhe zu finden. Damit du überhaupt wieder wahrnehmen kannst, was du brauchst. Und damit nicht jede Entscheidung von der Angst bestimmt wird, dass du sonst nie wieder gesund wirst.
FAQ:
Kann Ayurveda bei ME/CFS und Post-Vac überhaupt helfen?
Für mich persönlich ist Ayurveda seit Jahrzehnten eine unglaublich wichtige Unterstützung. Ich merke, wie sehr mir mein ayurvedischer Lifestyle im Alltag hilft, auch wenn ich nach meinem Post-Vac-Rückfall noch nicht wieder auf meinem früheren gesundheitlichen Level bin. Aber Ayurveda ist natürlich keine Garantie dafür, dass du keine Rückschläge erlebst oder wieder vollkommen gesund wirst. Eine wissenschaftlich nachgewiesene Heilung von ME/CFS durch Ayurveda gibt es nicht. Für mich muss es das auch nicht geben. Da ich ja kein Fan von One-size-fits-all oder Recoerymärchen bin, würde ich auch Ayurveda nicht als Allheilmittel labeln. Ich sehe Ayurveda erstmal nur als eine Möglichkeit, mich im Alltag individuell zu unterstützen. Mehr Klarheit zu bringen. Weniger Trial and Error mit Frustationspotenzial erleben zu müssen. Aber leider nicht als Risiko-Versicherung gegen den nächsten Crash.
Was kann ich tun, wenn ich nach einem ME/CFS-Rückschlag überhaupt nicht mehr weiß, was für mich richtig ist?
Erst einmal musst du nicht sofort eine Antwort auf alles finden. Ich weiß, wie schwer das ist. Gerade wenn deine Baseline immer weiter sinkt und du das Gefühl hast, unbedingt etwas unternehmen zu müssen, bevor es noch schlimmer wird. Aber ausgerechnet in diesem Angst- und Überlebensmodus fällt es oft besonders schwer, die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und Entscheidungen zu treffen. Mir hat es damals geholfen, aus der permanenten Suche nach der nächsten Recovery-Lösung auszusteigen und mich zunächst darauf zu konzentrieren, wieder etwas Ruhe in meinen Kopf zu bekommen. Vielleicht ist das auch für dich ein erster Schritt. Nicht noch mehr recherchieren, nicht noch fünf neue Dinge ausprobieren, sondern erst einmal schauen, was dir gerade Sicherheit und Entlastung geben kann. Das bedeutet nicht, dass du deine Recovery aufgibst oder notwendige medizinische Hilfe aufschieben sollst. Du musst nur nicht heute schon wissen, wie du im Detail wieder aus diesem Rückschlag herauskommst.
Kann Manifestieren wirklich bei ME/CFS helfen?
Meine Manifestationspraxis hat mir persönlich sehr geholfen – allerdings nicht, indem ich ME/CFS einfach wegmanifestiert hätte. Ich habe mit Visualisierungen nach Neville Goddard, Affirmationen als Pep-Talk-Audios und Skripten gearbeitet. Das hat mir nach und nach geholfen, aus meiner Angst- und Frustrationsspirale herauszukommen und wieder mehr Zuversicht zu entwickeln. Dass Manifestieren ME/CFS behandeln oder heilen kann, ist wissenschaftlich nicht belegt. Aber für mich war diese Praxis damals irgendwie der einzige Weg, wieder ins Vertrauen zu kommen und nicht mehr permanent in Worst-Case-Szenarien festzustecken. Das muss nicht dein Weg sein. Vielleicht hilft dir etwas völlig anderes, wieder mehr innere Ruhe und Orientierung zu finden.
Muss ich Ayurveda perfekt umsetzen, damit er mir etwas bringt?
Nein. Und genau das war nach den vielen Jahren als Ayurvedastreberin eine meiner wichtigsten Erkenntnisse. Du musst nicht jeden Tag sämtliche Ayurveda-Empfehlungen im Kopf haben oder alles nach deiner Konstitution oder deinen Dysbalancen ausrichten. Ich halte es inzwischen so: Was für mich funktioniert, behalte ich bei. Was nicht funktioniert oder gerade nicht in meinen Alltag passt, lasse ich weg. Manchmal ist das eben auch aufgewärmtes Essen oder ein Avocadotoastbrot, obwohl meine innere Ayurveda-Therapeutin früher wahrscheinlich Einspruch eingelegt hätte. Ayurveda darf sich deinem Leben anpassen. Nicht umgekehrt.

Und wenn bei dir gerade die Recovery- oder Symptom-Analysierungs-Stimme im Kopf gerade keine Ruhe gibt …
Du recherchierst, grübelst, hinterfragst jede Entscheidung und hast ständig das Gefühl, irgendetwas tun zu müssen, damit es nicht noch schlimmer wird? Ich kenne diesen Zustand verdammt gut. Und manchmal braucht es nicht noch mehr Informationen oder die nächste Recovery-Strategie. Sondern erst einmal jemanden, mit dem du deine Gedanken sortieren kannst.
Genau dafür gibt es Cocoon – Safe Inside.
Eine Woche Sprachnachrichten-Begleitung und Coaching mit mir. Du kannst mir schreiben, was dich gerade beschäftigt, deine Fragen stellen und auch einfach mal deinen ganzen ME/CFS-Frust loswerden. Ohne perfekte Recovery-Pläne. Ohne zusätzlichen Leistungsdruck. Eine Woche Raum für dich, deine Fragen und ein bisschen weniger Chaos im Kopf.

